Wir sind sprachlos!

Wir sind sprachlos – KiBiz-Entwurf der Landesregierung verfehlt die Realität

Lange Zeit waren wir laut. Wir haben unsere Stimme erhoben, haben protestiert, Gespräche geführt und auf Missstände aufmerksam gemacht. Heute stehen wir an einem Punkt, an dem uns schlicht die Worte fehlen. Der aktuelle Entwurf zum Kinderbildungsgesetz (KiBiz) der Landesregierung lässt uns sprachlos zurück – weil er die Realität in unseren Kindertageseinrichtungen nicht widerspiegelt.

Schon heute liegt der Fachkraft-Kind-Schlüssel in Nordrhein-Westfalen unter den wissenschaftlichen Empfehlungen. Anstatt diese Situation endlich zu verbessern, wird mit dem neuen Entwurf eine wichtige Chance vertan. Eine echte Qualitätssteigerung bleibt aus – und das, obwohl sie dringend notwendig wäre.

Besonders kritisch sehen wir die geplanten Regelungen zum Personaleinsatz. Das Fachkräfteangebot muss über die gesamten Öffnungszeiten hinweg sichergestellt werden – gerade auch in den Randzeiten. Die fehlende klare Struktur zwischen Kern- und Randzeiten bereitet uns große Sorgen. Aus pädagogischer Sicht ergibt diese Regelung keinen Sinn. Stattdessen drohen zusätzliche Bürokratie, aufwendige Dokumentationspflichten, komplizierte Dienstplangestaltungen und erschwerte Übergaben.

Hinzu kommt ein zunehmender Wechsel des Personals im Alltag der Kinder. Dies gefährdet aus unserer Sicht nicht nur die so wichtigen     „Tür-und-Angel-Gespräche“, sondern auch die vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften. Kontinuität und verlässliche Bezugspersonen sind jedoch zentrale Bausteine qualitativ hochwertiger pädagogischer Arbeit.

Wir sehen einen deutlichen Qualitätsabbau auf uns zukommen.

Gleichzeitig steigen die Kosten in allen Bereichen – doch die finanzielle Förderung bleibt unverändert oder wird sogar reduziert. Der Entwurf sieht Kürzungen bei den Sachkosten vor und gefährdet damit auch die bauliche Substanz der Einrichtungen. Mittel für notwendige Instandhaltungen fehlen. Das System ist bereits jetzt strukturell unterfinanziert – insbesondere kleinere Einrichtungen stehen zunehmend vor existenziellen Herausforderungen. Der Gesetzesentwurf verschärft diese Situation weiter.

Mit großer Sorge blicken wir auch auf die Entwicklung des KiBiz insgesamt: Ein Gesetz, das ursprünglich Bildung in den Mittelpunkt stellte, droht immer mehr zu einem reinen Betreuungsgesetz zu werden.

Besonders betroffen sind die jüngsten Kinder. Gerade im U3-Bereich brauchen Kinder kleine, stabile Gruppen und verlässliche Bezugspersonen. Häufig wechselndes Personal widerspricht diesen grundlegenden Bedürfnissen und gefährdet eine gesunde Entwicklung.

Aus pädagogischer Sicht ist dieser Gesetzesentwurf nicht nur eine verpasste Chance – er bedeutet in vielen Bereichen sogar eine Verschlechterung gegenüber dem aktuellen Stand.

Wir sind sprachlos. Und gleichzeitig wissen wir: Für die Zukunft unserer Kinder dürfen wir nicht aufhören, hinzusehen und uns einzusetzen.

Wir sind sprachlos- und das sagt alles!

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